ΒᾸΘΟΣII

Performance – Installation

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Konzept : Charlie Fouchier
Tanz : Clara Sjölin, Nils Ulber, Charlie Fouchier
Kostüm : Maryna Ianina
Licht : Thomas Achtner
Installation/Bühnenbild : Charlie Fouchier & Team

Première : 17.11.2017 – LOFFT, Leipzig
Weitere Vorstellungen : 18.11.2017, 21. & 22.04.2017, LOFFT, Leipzig
Work-in-progress : 25.10.2017, Hellerau, Dresden

Produktion : Charlie Fouchier
Förderung : Kulturamt der Stadt Leipzig
Kooperation : LOFFT (Leipzig), Studio Fictif (Paris)
Residenzen :
Ménagerie de Verre – dans le cadre des Studios Lab (Paris, FR), Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste (Dresden, DE), Theater im Pumpenhaus (Münster, DE).

Als Installation einer Performance, zielt das Projekt darauf ab, das Publikum eine besondere sensorische Erfahrung anzubieten, in welcher die Zuschauer*innen eingeladen sind, die Körper und Bewegungen der Tänzer*innen mit ihrem eigenen Körper wahrzunehmen.
Mit einer besonderen Aufmerksamkeit auf ihren Raum-, Zeit-, Körper- und Klangwahrnehmungen entwickeln die Tänzer eine Choreographie, die aus Elementen wie Atmung, Berührung, Blick, Wahrnehmung von bedeckten und enthüllten Hautflächen komponiert wurde, und die mit der Sichtbarkeit und der Unsichtbarkeit des bewegenden Körper spielt.

Durch Empathieprozesse stellt im Stück die Nähe der Körper und die Entdeckung Hautflächen die Grenzen der Individualitäten in Frage : Inwieweit gibt uns die Sichtbarkeit des Körpers Zugang zum Anderen? Was ist für mich die Natur des intimen Raums, der der Körper des Andere ist ? Inwiefern verweist mich seine Unerreichbarkeit auf die unerkennbaren psychischen und physischen Dimensionen meines eigenen Körpers? Inwiefern bewirkt die Akzeptanz des Andersseins dieser Räume ein Loslassen des Intellekts und eine Durchlässigkeit der Präsenzen? Wie erzeugt diese Durchlässigkeit eine neue Wahrnehmung des Andersseins und bringt die Körper als mit- und durch- einander existierende Präsenzen in einem gemeinsamen Raum hervor ?

Das Wort „βᾰ́θος“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Raumausdehnung (d. h. Tiefe, Höhe, Breite, Fülle), aber auch Bedeutungstiefe : jenseits von der Geste, jenseits der Vor-stellung, dieser Begriff ermöglicht es Bedeutung und Bewegung als die räumliche Anordnung der Körpern ineinanderzufügen. Daher können wir die Bewegungen betrachten, nicht mehr als Zeichen oder für die Bilder oder Konnotationen die sie in uns wecken würden, sondern in ihrer Tatsächlichkeit oder Potenzialität im Raum.

Indem es mit den Komplizenschaften und Missverständnissen die die Begegnungen von Individuen in Bewegung hegen spielt, verwischt das Stück die Grenzen zwischen den Präsenzen. Als es sie zusammenführt oder voneinander abgrenzt, formt in dieser Situation der Aus-Stellung der Körper das Schreiben von Zeiten und Räumen die Erfahrungen der Tänzer. Durch Situationen, die manchmal spielerisch, manchmal intim sind, machen sich die Individualitäten einander offenbar und treten als ein Netzwerk von Intentionen im Raum auf.

Diese choreographische Arbeit fragt uns, inwieweit unsere Körper in die Prozesse unserer rationalen Entscheidungen und in die Entwicklungsprozesse unsere sozialer und politischen Strukturen einbezogen sind. Als komplexes und vielseitiges perzeptorisches Fundament ermöglicht es unsere Körper, diese Entscheidungen und diese Strukturen neu wahrzunehmen und neu zu begreifen. Mit diesem Stück beabsichtige ich, einen Raum zu kreieren, in welchem diese Komplexität ein erneuertes Verständnis von uns selbst als Individuum und als Gruppe eröffnet.

Presse :
“Die Inszenierung zeigt dann aber erst einmal […] vor allem eins: Tanz, abstrahierend und dramatisch zugleich. Ganz aus sich selbst heraus erzählend. Sehr gelungen !”
Steffen Georgi, Leipziger Volkszeitung, 20. November 2017

Eine Produktion von Charlie Fouchier in Kooperation mit LOFFT – Das Theater. Gefördert von der Stadt Leipzig, Kulturamt. Infrastrukturelle Unterstützung von Studio Fictif Paris. Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden (Residenzaufenthalt), Ménagerie de Verre – dans le cadre des Studios Lab Paris, Theater im Pumpenhaus Münster.


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