Sehen, sich bewegen und bewegt werden

Wissenschaftler:innen und Tanzkünstler:innen tauschen sich über die Art und Weise aus, wie wir unsere Augen im und für den Tanz einsetzen.

Zeitplan Samstag 25. September :
10:00-10:30 : Zusammenkommen/Einführung
10:30-12:30 : Bewegungsworkshop (Maike)
Mittagspause
13:30-14:30 : Vortrag & Diskussion (Nicolás)
15:00-17:00 : Erkundung/Bewegungsforschung (Charlie)
17:00-17:30 : Abschluss
Zeitplan Sonntag 26. September :
10:00-10:30 : Zusammenkommen/Einführung
10:30-12:30 : Bewegungsworkshop
Mittagspause
13:30-14:30 : Vortrag & Diskussion (Tommaso)
15:00-17:00 : Erkundung/Bewegungsforschung
17:00-17:30 : Abschluss

Dr. Nicolás Araneda Hinrichs (Psycholinguist, Institut für angewandte Linguistik und Translatologie, Leipzig)
Vortrag & Diskussion – Inhalt wird noch bekannt gegeben.

Maike Hautz (Performerin, Tänzerin und Musikerin, Leipzig)
Workshop : das Gemeinsamen als Körper im Raum
Der Schwerpunkt der Einheit liegt auf der Wahrnehmung des Gemeinsamen als Körper im Raum. Wir üben, den eigenen anatomischen Körper sowie die Körper der anderen in ihrem Umfeld ganzheitlich zu begreifen. Welche Impulse ergeben sich aus der Art des Anderen für meine Eigene Dynamik? Wie kann ich eine Position, einen Tanz unterstützen und wie kann ich selbst Unterstützung erfahren? In Partner- und Gruppenarbeit werden wir ausprobieren, Dynamiken aufmerksam aufzugreifen, anderen Raum zu geben und uns selbst Raum zu erschaffen. Immer in der Aufmerksamkeit, das Gemeinsame dabei nicht zu verlieren.

Tommaso Tosato (Neurowissenschaftler, Ernst Strüngmann Institut, Frankfurt)
Vortrag & Diskussion: Die Rolle der interindividuellen Hirnwellensynchronisation bei sozialen Interaktionen (z.B. Sprache) und bei Bewegungs- und Musikimprovisationen.

Susanna Ylikoski (Tanzkünstlerin und Autorin, Berlin).
Workshop: Empathie in Bewegung
Wenn wir uns von einem empathischen Ausgangspunkt aus und in Beziehung zu unserer Umgebung bewegen, wie trifft unser Körper Entscheidungen, sich zu bewegen? Was beeinflusst uns? Was bringt uns dazu, uns so zu orientieren, wie wir es tun? Wie können wir die dynamische Wechselbeziehung und Resonanz zwischen dem Körper und seiner Umgebung aufdecken?
Indem wir unsere Fähigkeit trainieren, sowohl der Gerichtetheit als auch der dynamischen Natur unserer sensorischen Informationen zu folgen, ermöglicht uns diese somatische Praxis zu untersuchen, wie unser Körper Entscheidungen in seiner Umgebung trifft.
Wir nähern uns der Bewegung durch unsere sensorischen Informationen: wahrgenommene Empfindungen, Emotionen, Bewegungen, Gedanken, Bilder, Rhythmen und Richtungen, in Bezug auf den Raum und andere Körper. Indem wir uns diesen Informationen hingeben, kommt es zu Verschiebungen, Veränderungen, Rückständen, Wucherungen, Auslöschungen, etc. Diese Fokussierung auf körperliche Prozesse bei gleichzeitiger Fokussierung auf die räumlichen Informationen schafft an ihrem Treffpunkt eine Brücke zu einem dritten Fokus: eine alternative Lesart einer Situation wird eröffnet.

Charlie Fouchier (Tanzkünstler, Leipzig)
Workshop: die Dreidimensionalität des Raumes verkörpern.
Ich werde eine Tanzpraxis anbieten, die verschiedene Komponenten unserer Wahrnehmung verbindet: innere Körperempfindungen, visuelle Körperwahrnehmung, Raumwahrnehmung und Raumrepräsentation. Die Nutzung der Trägheit unserer Körperzustände wird es uns ermöglichen, unser Bewusstsein für diese verschiedenen Komponenten zu erhöhen. Durch diese Praxis wollen wir eine bessere Verkörperung der Dreidimensionalität unserer Umgebung erreichen, so dass wir in der Lage sind, beim gemeinsamen Tanzen mehr körperbezogene Interaktionen einzugehen.

Praktische Informationen:
Die Teilnahme erfolgt auf Spendenbasis.
Anmeldung erforderlich unter: contact@charliefouchier.org
Wenn Sie nur an Teilen des Symposiums teilnehmen möchten, geben Sie dies bitte bei der Anmeldung an.
Sprache: Deutsch und/oder Englisch, je nach Bedarf.
Ort : Erich-Zeigner-Allee 64d – 04229 Leipzig

COVID-19:
Es gilt die sächsische Corona-Schutz Verordnung.

Über die Gäste :

Dr. Nicolás Araneda Hinrichs, geboren 1989, ist ein deutsch-chilenischer Forscher, der an der Universität von Concepción (Concepción, Chile) über die chilenische Nationale Agentur für Forschung und Entwicklung (ANID/CONICYT) in Psycholinguistik promoviert hat. Er besitzt außerdem eine Licenciatura (deutsches Äquivalent: Diplom) in physischer (biologischer) Anthropologie von derselben Institution und verfolgt derzeit seine Habilitation am Institut für Angewandte Linguistik & Translatologie der Universität Leipzig (Leipzig, Deutschland); dessen Direktor, Prof. Oliver Czulo, ist sein derzeitiger Berater.
Er hat gerade eine Forschungsgruppe mit Dr. Maryam Foradi gegründet, die neurokognitive Experimente mit computergestützter Korpuslinguistik auf der Grundlage von Primzahlen aus Wierzbickas Natural Semantic Metalanguage und Frames aus der Global FrameNet-Initiative verbindet. In seiner Dissertation untersuchte Nicolás die sogenannte Umkehrung des Konkretheitseffekts von Substantiven im chilenischen Spanisch aus einer auf 4E Cognition basierenden Perspektive. Während seines Studiums absolvierte er auch einen Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (Nijmegen, Niederlande) und war während des größten Teils seines Aufenthalts in diesem Doktorandenprogramm als Laborleiter tätig.
Nicolás ist regelmäßig als Manuskriptrevisor für verschiedene Zeitschriften, Konferenzen und Verlage tätig, hat zusammen mit Noah Guzmán vom California Institute of Technology (Kalifornien, USA) begonnen, ein Buch über die Philosophie der zeitgenössischen Kognitionswissenschaft zu schreiben, und ist Pianist mit klassischer und Jazz-Tradition; er hatte mehrere Bands – darunter “Niño Cohete”, eine Pop-Formation, die in Chile beachtliche Erfolge feierte – und unterrichtete Jazz-Klavier; außerdem hat er im Atelier Schwobhaus (Bern, Schweiz) Vorträge wie “Time Decoration” über seinen Kompositionsprozess gehalten.

Maike Hautz arbeitet als freischaffende Musikerin und Künstlerin mit dem Schwerpunkt auf Tanz und Performance. Ihre künstlerischen Arbeiten befassen sich forschend mit gruppendynamischen Prozessen, Wahrnehmungsmethodik und dem Zeigen als Praxis.
maikehautz.bandcamp.com

Tommaso Tosato studierte an der Fakultät für Molekularbiologie in Padua und an der Fakultät für Neurobiologie in Pisa und forscht seit 2015 im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften am Ernst Strüngmann Institut in Frankfurt. Er bringt es mit Hirnrhythmen in Verbindung: Die visuelle Wahrnehmung ist kein kontinuierlicher, sondern ein rhythmischer Prozess, und dieser Rhythmus steht in Beziehung zu anderen sensorischen Modalitäten und zu motorischen Handlungen. Im Rahmen seiner Forschung arbeitet Tommaso regelmäßig mit Künstlern aus den Bereichen Tanz und Neurowissenschaften zusammen (z. B. Meg Stuart, Adriana Almeida Pees und Ildikó Tóth).

Susanna Ylikoski ist eine Tanzkünstlerin und Autorin. Sie ist Absolventin der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD) und arbeitet derzeit als Freelancerin in Europa. Sie kollaboriert mit unabhängigen Choreografen, Tanzkompanien, Musikern, bildenden Künstlern und Tanzkollektiven. Als Künstlerin setzt sie sich für kollaborative und situationsspezifische Kunst ein und interessiert sich für alternative Wege des Zusammenlebens, Empathie und das Unmessbare. Sie ist Teil des in Berlin ansässigen “nein9 kollektiv” (www.nein9kollektiv.de).

Nach einem Philosophie-Bachelor absolvierte Charlie Fouchier eine Choreografie-Ausbildung am CNDC in Angers, Frankreich. Seit 2009 arbeitet er als Tänzer, sowie als Leiter verschiedener Performanceprojekte und Workshops europaweit. Seit 2018 ist er Mitglied des Vereins 4fürTanz und seit 2019 Tanzpädagoge am Tanztheater Leipzig.