Die Körperlichkeit der Sprachen

Künstlerische Forschung

Es handelt um eine Forschung der Verbindungen zwischen den Ausdrucks- und Kommunimationsformen und ihren Inhalten. Mit Form meine ich Sprachen, Gesten und Körperpositionen sowie soziale und szenische Tänze. Mit Inhalt meine ich die gelebten Erfahrungen der Menschen, die sich selbst ausdrücken, dh ihre Ideen, ihre Emotionen und ihre Absichten durch diese Ausdrucksformen und die interindividuellen Netzwerke, die diese Formen herstellen.

Diese Forschung wird mit Tänzern mit verschiedenen Muttersprachen durchgeführt.

Leiblichkeit des Sprechens
Eine Sprache hören, die nicht verstanden wird ; in einer imaginäre Sprache sprechen ; Wörter einer Sprache die nicht beherrscht ist aussprechen zu lernen ; mit einer Person kommunizieren, deren Sprache nicht verstanden wird ; die organischen Verbindungen zwischen der Stimme, dem Rest des Körpers und dem Raum untersuchen… All diese Situationen ermöglichen uns den Zugang zu einer intrinsischen Ausdruckskraft der Sprache, die unabhängig von der Bedeutung der Wörter ist. Die Umsetzung dieser Situationen eröffnet die Möglichkeit auf dieser ersten Ebene des Sprachausdrucks Bewegung und Stimmkomposition zu entwickeln.

Bewegungen und Bedeutungen ineinanderfügen
Bewegen und gleichzeitig der eigenen Bewegung oder Absicht zu einem anderen beschreiben, stimuliert sowohl das Körperbewusstsein des Tänzers als auch sein Bewusstsein der Anwesenheit des anderen. Dies ist eine beispiellose Situation, in der er sich gleichzeitig körperlich und als Einzelperson ausstellt. Durch Solo- und Gruppenimprovisationen trainieren die Tänzer*innen, diese beiden Bewusstseinszustände gleichzeitig zu erleben.

Bezug zu Texten
In dieser Recherche nähern sich die Tänzer den Texten von theatralischen und literarischen Werken als Partner. Das Ziel ist also nicht, eine Figur oder eine Rede zu verkörpern. Sondern den Text als Stimme und Präsenz einer Person die Teil der Improvisation wäre zu begrüßen. Die Diktion des Textes durch den Tänzer wird somit durch seine Gefühle gegenüber ihm bestimmt.

Zwischenleibliche Sprachen
Soziale Tänze bestimmen emotionale Zustände und Bezüge zwischen Individuen.
Diese Tänze bestimmen also eine interkorporalle “Kommunikation” zwischen den Tänzern, und erschaffen interindividuelle körperliche Netzwerke. In ähnlicher Weise beobachten wir unter den Tieren die Existenz einer Kommunikation auf Körperebene, die Beziehungen und Austausch bestimmt. Das Bewusstsein der Kraft des Körpers beim Aufbau einer Kommunikation ermöglicht es den Tänzer*innen, Improvisationen durchzuführen, in denen sie sich der Bewegung nicht als bloßer Ausdruck und Ausstrahlung ihre Persönlichkeit nähern, sondern als sie die Beziehungen zwischen Individuen bestimmt und transformiert und als sie sich von diesen Beziehungen bestimmen lasst.

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Erste Recherchezeit :
vom 02. bis dem 18. Januar, Residenz, Schauspiel Leipzig
Mit : Nacha Bascourleguy, German Farias, Katharina Hänßler, Maryna Ianina, Greta Ksivickaite, Clara Sjölin, Nils Ulber

Zweite Recherchezeit :
vom 25. März bis dem 7. April. Leipzig, Berlin.
Mit : German Farias, Nils Ulber
Öffentliche Präsentation : 7. April, Flutgraben Performances, Berlin

Dritte Recherchezeit :
vom 26. August bis dem 8. September, Flutgraben Performances, Berlin

Vierte Recherchezeit : 
vom 04. bis dem 17. November, Flutgraben Performances, Berlin

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Videos :

German Farias, Januar 2019, Residenz des Schauspieles, Leipzig (Untertitel verfügbar):

Nils Ulber, April 2019, Flutgraben Performances, Berlin :